Häufige Fragen
Der Hauptgrund dafür ist die Förderung des Anbaus von Futter (Mais, Getreide) für Nutztiere auf 60% von unseren Ackerflächen statt pflanzlicher Lebensmittel. Dieser Futteranbau steht in direkter Konkurrenz zur menschlichen Ernährung. Denn würde die Landwirtschaft auf diesen Ackerflächen Getreide, Hülsenfrüchte, Gemüse für die Menschen anbauen, könnte sie mehr als das Zehnfache an Kalorien produzieren und so den Selbstversorgungsgrad erhöhen. Unser Grasland sichert hingegen eine nachhaltige Fleisch- und Milchproduktion für unsere Ernährungssicherheit.
Ja. Die Schweiz hat genügend Ackerflächen per Gesetz gesichert, um sich zu 100% selbst ernähren zu können. Diese müssen innerhalb eines Jahres Ertrag abwerfen, um die Schweizer Bevölkerung im Krisenfall mit pflanzlichen Lebensmitteln versorgen zu können. Unsere Land- und Ernährungswirtschaft ist in keiner Weise auf diesen Auftrag vorbereitet. Angesichts der besorgniserregenden weltweiten Kriege und Handelskonflikte sowie der Klimakrise, die sehr schnell zu Importausfällen und somit zu Mangellagen führen können, ist das fahrlässig und gefährlich. Mit der Forderung, einen Netto-Selbstversorgungsgrad von 70% schon in Normalzeiten anzustreben, bereitet die Initiative die Landwirtschaft auf ihren gesetzlichen Auftrag vor, die Landesversorgung in Krisenzeiten zu 100% aus eigenem Boden zu gewährleisten. Das ist von zentraler Bedeutung für die nationale Sicherheit und Souveränität der Schweiz.
Dass sogar eine Selbstversorgung von über 100% ist möglich ist – und das mit weniger Umweltbelastung als heute – können Sie der soeben in der „Agrarforschung Schweiz” publizierten Studie „Wege zu einer markanten Erhöhung des Selbstversorgungsgrads bei weniger Umweltbelastung” entnehmen. Voraussetzung dafür ist laut den Wissenschaftern eine effiziente Nutzung unseres Landwirtschaftslandes –Grasland für die Milch- und Fleischproduktion, das Ackerland für die menschliche Ernährung. Weiter braucht es eine Reduktion der Lebensmittelverschwendung, denn heute landen 30% der Lebensmittel im Food Waste.
Die Agrarpolitik fördert mit gut 75% der jährlichen 3,6 Milliarden Agrarsubventionen die Produktion von tierischen Lebensmitteln. Sie bestimmt und beeinflusst damit den Konsum und die Produktion von tierischen Lebensmitteln massiv. Bäuerinnen und Bauern, die für unsere Ernährungssicherheit mehr pflanzliche Lebensmittel produzieren möchten, werden durch diese Förderpolitik benachteiligt. Die Agrarpolitik macht den Anbau von Futter für Nutztiere auf 60% unserer Ackerflächen wirtschaftlicher als den Anbau pflanzlicher Lebensmittel. Dieser Futteranbau ist die Hauptursache dafür, dass die Schweiz mehr als die Hälfte ihrer Lebensmittel aus dem Ausland importieren muss.
Ja. 65% der pflanzlichen Lebensmittel, die die Schweizer Bevölkerung konsumiert, werden heute importiert. Bei Pflanzenproteinen wie zum Beispiel Hülsenfrüchten und Nüssen sind es sogar 98 %. Auch die pflanzlichen Rohstoffe für den Wachstumsmarkt von Fleisch- und Milchersatzprodukten werden fast ausnahmslos importiert. Mehr pflanzliche Lebensmittel für unsere Ernährungssicherheit und eine nachhaltige gesunde Ernährung hierzulande anzubauen und zu verarbeiten, statt sie zu importieren, schafft Arbeitsplätze sowie Wertschöpfung vor Ort, stärkt die Wirtschaft und führt zu fairen Konsumenten- und Produzentenpreisen für Schweizer Produkte.
Ja. 30% unseres Essens landet heute im Food Waste. Reduzieren wir den Food Waste, führt das zu weniger Importen und somit zu einer höheren Selbstversorgung sowie wird die Umweltbelastung der Ernährung verringert
Ja. Mit einem verbindlichen Selbstversorgungsgrad erhalten unsere Bäuerinnen und Bauern erstmals Produktionssicherheit und Abnahmesicherheit für ihre Ernten und damit eine gesicherte Zukunft. Die Initiative schafft zudem Rahmenbedingungen, die den Anbau von pflanzlichen Lebensmitteln für die Bäuerinnen und Bauern wirtschaftlich macht. Ebenso sichert die Initiative die Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität das Fundament einer ertragreichen Landwirtschaft und das Kapital der Bäuerinnen und Bauern.
Ja. Der vernachlässigte Schutz der Trinkwasserressourcen führt zur Schliessung von Grundwasserfassungen, wegen Überschreitungen der Grenzwerte für Nitrat und Pestizide. Verursacht wird dies durch die Landwirtschaft mit ihrem hohen Einsatz von Pestiziden und durch die Überschreitung der Höchstwerte für Dünger. Die heutige Lebensmittelproduktion führt zu einem enormen Verlust von Milliarden Litern Trinkwasser. Das gefährdet unsere Ernährungssicherheit, denn diese ist von sauberem Trinkwasser, unserem Lebensmittel Nr. 1, abhängig.
Nein, obschon bereits vor über 10 Jahren die Wissenschaftler des Nationalen Forschungsprogramms «Nachhaltige Wassernutzung» eine nationale Wasserstrategie forderte, um die Wasserversorgung der Schweiz im Klimawandel sicherzustellen. Dazu gehört auch die Umsetzung des Gewässerschutzes. Der Bund weiss bis heute nicht, wie viel Wasser die Schweiz verbraucht und wie viel sie zur Verfügung hat. Bis heute gibt es für unsere Wasserversorgung keine nationale Strategie und Sachplanung, wie das für Strom, Verkehr u.a. selbstverständlich ist. Dieser Blindflug bei der Wasserversorgung ist gefährlich und fahrlässig: Durch den Klimawandel verknappt und verschlechtert sich die Verfügbarkeit von Wasser für die Trinkwasserversorgung und die Produktion von Lebensmitteln. Durch die Schliessung von Trinkwasserfassungen wegen zu hoher Pestizid- und Nitratwerte wird die Versorgung der Schweizer Bevölkerung mit Trinkwasser zusätzlich gefährdet. Auch verbraucht die übermässige Produktion von tierischen Lebensmitteln enorme Wasserressourcen und belastet die Trinkwasserversorgung. Die Initiative macht die Trinkwasserversorgung zum Bestandteil der Ernährungssicherheit und gibt dem Bund in diesem wichtigen Bereich die nötigen Kompetenzen für national koordinierte Planungen unserer Wasserversorgung. So werden die für die Trinkwasserversorgung erforderlichen Grundwasserressourcen gegen weitere Verschmutzung, konkurrierende Nutzungen und klimatische Herausforderungen abgesichert.
Diese natürlichen Ressourcen sind die unverzichtbaren Produktionsgrundlagen der Landwirtschaft. Je höher die Biodiversität, desto mehr Erträge in der Landwirtschaft. Die landwirtschaftliche Produktion und unsere Ernährung sind von den Leistungen der Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität abhängig. Sie gewährleisten unsere Ernährungssicherheit und die Produktionssicherheit der Bauernfamilien. Sie sorgen für sichere und stabile Erträge, ersetzen Pestizide durch einen natürlichen Pflanzenschutz und bieten Lösungen, um die wachsenden Produktionsunsicherheiten infolge von Klimaextremen wie Hitze, Wasserknappheit und Starkregen sowie das Verbot von Pestiziden zu bewältigen. Sie sind die beste „Ernteversicherung” für Bäuerinnen und Bauern und sorgen zugleich für sauberes Trinkwasser.
Der Einsatz von Pestiziden sowie die Überdüngung mit Gülle und Ammoniak führen zum Verlust der Biodiversität und der Bodenfruchtbarkeit. Das gefährdet unsere Ernährungssicherheit und somit auch das Einkommen der Bauernfamilien. Mit der Initiative «Für eine sichere Ernährung» verlangen wir die Sicherstellung dieser natürlichen Ressourcen.
Mit nachhaltigen Anbausystemen wie Mischkulturen, Agroforstwirtschaft und regenerativer Landwirtschaft. Diese erhöhen die Bodenfruchtbarkeit und die Biodiversität, steigern so die Erträge, ersetzen Pestizide mit natürlichem Pflanzenschutz und Düngemittel mit einer natürlichen Düngung. Sie sorgen damit für sauberes Trinkwasser und bieten der Landwirtschaft Lösungen, um klimaextreme Wetterverhältnisse wie Trockenheit oder Starkregen bewältigen zu können. Nachhaltige Anbausysteme müssen konsequent in Ausbildung und Praxis verankert werden und industrielle Anbausysteme wie die Monokulturen ablösen.
2008 hat die Schweiz Höchstwerte für Dünger in den Umweltzielen der Landwirtschaft festgelegt, dies zum Schutz von Ökosystemen, Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit, Luftqualität, Klima und Wasserqualität. Die heute mit Importfutter erhöhte Tierproduktion führt zur massiven Überschreitung dieser Höchstwerte. Enorme Überschüsse an Gülle und Ammoniak überdüngen unsere Böden, Wälder und Gewässer. Der Baldegger-, Hallwiler-, Sempacher-, Greifensee und neu auch der Zugersee müssen wegen zu viel Phosphor aus der Gülle mit Sauerstoff künstlich belüftet werden.
Gleichzeitig zerstört die Überdüngung die Biodiversität und die Bodenfruchtbarkeit und verursacht die Schliessung von Trinkwasserfassungen wegen überhöhter Nitratwerte. Allesamt sind dies die zentralen Produktionsgrundlagen der Landwirtschaft und unsere Lebensgrundlagen – die Basis unserer Ernährungssicherheit!
Gemäss einer Studie des Bundesamtes für Raumentwicklung ARE war die Luftverschmutzung im Jahr 2010 für Ernteausfälle von über 100 Millionen Franken verantwortlich.
Die mit Importfutter erhöhte Tierproduktion wurde seit 2008 weiter um fast 40% erhöht, statt reduziert! Der Futtermittelimport stieg seither von 820 000 Tonnen auf heute 1,3 Millionen Tonnen. Die Überdüngung geht ungebremst weiter, die Höchstwerte werden weiter massiv überschritten, beim giftigen Gas Ammoniak um fast 70%!
In der Schweiz führt das Importfutter zu enormen Überschüssen an Gülle und Mist. Was aber hier an Dünger zu viel ist, fehlt auf den Ackerflächen im Ausland und muss dort durch Kunstdünger ersetzt werden. Importfutter führt also zu nicht geschlossenen Nährstoffkreisläufen im In- und Ausland.
16 Millionen Nutztiere werden in der Schweiz permanent für die Produktion von tierischen Lebensmitteln gehalten. Die Schweiz hat nicht genug Land, um diese Tiere selbst ernähren zu können. Die Hälfte des Schweizer Fleisches wird heute mit Importfutter produziert – 1,3 Millionen Tonnen jährlich. Die Werbung verschweigt den Konsumentinnen und Konsumenten das Importfutter und dessen schädliche Folgen – ebenso wie den Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung, der zur Bildung von antibiotikaresistenten Bakterien führt. Diese gelangen via Gülle auf die Felder und so in unser Essen und gefährden unsere Gesundheit.
Durch den Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung bilden sich antibiotikaresistente Bakterien. Via Gülle und Mist gelangen dadurch antibiotikaresistente Bakterien auf die Felder, wo unsere Nahrung wächst und so in unsere Lebensmittel, in die Gewässer und in das Trinkwasser. Diese Bakterien wurden von der Eidgenössischen Fachkommission für biologische Sicherheit zur «grössten Bedrohung für die Gesundheit der Schweizer Bevölkerung» erklärt.
In der Nutztierhaltung werden sogar Reserveantibiotika eingesetzt, da herkömmliche Antibiotika nicht mehr wirken. Antibiotika also, die den Ärzten in der Humanmedizin als letztes Mittel gegen sonst tödliche Infektionen vorbehalten sind.
In den Bereichen Umwelt, Klima und Gesundheit verursacht das Agrar- und Ernährungssystem volkswirtschaftliche Kosten von 31,8 Milliarden Franken pro Jahr. Das sind pro Person
Fr. 3 500. —, pro 4-köpfiger Familie Fr. 14 000.— pro Jahr!
Das für die Schweizer Landwirtschaft notwendige Saat- und Pflanzgut wird zu grossen Teilen importiert. Es besteht immer mehr aus nicht nachbaufähigen Hybridsorten, kann also nicht weiter vermehrt werden und muss jedes Jahr neu gekauft werden. Die Initiative verlangt daher zur Sicherung der Grundlagen der landwirtschaftlichen Produktion die Förderung von natürlichem, samenfestem Saat- und Pflanzgut. Samenfest ist eine Pflanzensorte dann, wenn aus ihrem Saatgut Pflanzen wachsen, die dieselben Eigenschaften und dieselbe Gestalt haben wie die Elternpflanzen. Solches Saatgut ist samenfest, sortenrein und nachbaufähig, d.h. es kann natürlich vermehrt werden, sei es durch die Bäuerinnen und Bauern selber oder durch Saat- und Pflanzguthersteller. Das stärkt den Wissenschaftsstandort Schweiz, schafft Know-how in der Züchtung und stärkt den Zugang zu nicht patentierten natürlichen Zuchtpflanzen.
